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Reihe Transformation #2

Entkoppelte Gesellschaft

In ihrem Forschungsprojekt ‚Entkoppelte Gesellschaft‘ weist die Soziologin Yana Milev auf Probleme im Kontext des deutsch-deutschen Einigungsprozesses hin, die Milev zufolge in ihrer Tragweite von Politik und Gesellschaft bisher nicht ausreichend zur Kenntnis genommen werden. Hierzu gehören demografische Einbrüche, Arbeitslosigkeit, Armut oder die Entwertung von Herkunft und Qualifikation, die zu sozialem Abstieg, Anstieg der Mortalität oder Entvölkerung geführt haben. Die behauptete Annäherung der beiden Teilgesellschaften lasse sich laut Milev anhand von Erhebungen nicht bestätigen

Einer eingehenden Analyse und der Frage, wie der Prozess in wirtschaftlicher, politischer, sozialer und kultureller Hinsicht fortgeführt werden sollte, widmen sich Yana Milev, Christoph Tannert und Thomas Krüger. Ihre Lebenswege kreuzten sich in den 1980er Jahren in der Subkultur-Szene der DDR. Einen gemeinsamen Ausgangspunkt für ihr Gespräch finden sie im künstlerischen und intellektuellen Erbe der DDR, dem Verhältnis von künstlerischer Produktion und wissenschaftlicher Forschung sowie in der Rolle der Kulturvermittlung in Zeiten der Transformation.

Die Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf legt im Jahr 2021 einen Schwerpunkt auf das Thema ‚Transformation‘. Ausgehend von Prozessen, die im Kontext der Wiedervereinigung Deutschlands stehen, sollen des Weiteren Transformationsprozesse auch auf anderen Feldern und in anderen Ländern betrachtet werden und dabei die Erfahrungen der internationalen StipendiatInnen des Residenzprogramms in die Debatten einfließen.

Yana Milev, in Leipzig geboren, ist habilitierte Soziologin. Sie studierte Kunst in Dresden, stellte 1997 auf der Documenta aus und hielt sich anschließend mit einem DAAD-Stipendium für ethnografische Studien in Japan auf. Im Jahr 2008 promovierte sie zur Dr. phil. in Wien. 2014 erfolgte ihre Habilitation und Ernennung zur Privatdozentin für Kultursoziologie der Universität St. Gallen. 2017 gründet Milev die unabhängige Plattform AGIO | Gesellschaftsanalyse + Politische Bildung. Sie ist Initiatorin und Leiterin des Forschungsprojekts ‚Entkoppelte Gesellschaft – Ostdeutschland seit 1989/90. Ein soziologisches Laboratorium‘, das als mehrbändige Reihe bei Peter Lang Internationaler Wissenschaftsverlag erscheint.

Thomas Krüger, in Buttstedt/Thüringen geboren, ist seit 2000 Präsident der Bundeszentrale für politischen Bildung. Seit 1995 ist er Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Außerdem ist er zweiter stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz und Mitglied des Kuratoriums für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. 1991 bis 1994 war er Senator für Jugend und Familie in Berlin, 1994 bis 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages. 2017 war Krüger Mitveranstalter der Expertenkonferenz ‚Ostdeutsche Eliten. Träume, Wirklichkeiten und Perspektiven‘ zum Elitenaustausch in Ostdeutschland ab 1990. Seitdem thematisiert er die „Desiderate der Transformation“.

Christoph Tannert, in Leipzig geboren, ist Ausstellungsmacher und Autor, seit 1991 Projektleiter und seit 2000 zudem Künstlerischer Geschäftsführer des Künstlerhauses Bethanien Berlin. Er studierte Kunstwissenschaft und Klassische Archäologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. In Kunstkatalogen und in der Fachpresse finden sich zahlreiche Veröffentlichungen. 2016 kuratierte er zusammen mit Eugen Blume im Martin-Gropius-Bau Berlin die Ausstellung Gegenstimmen. Kunst in der DDR 1976–1989 und 2017 im Albertinum in Dresden für die Ausstellung Geniale Dilletanten. Subkultur der 1980er Jahre in West- und Ostdeutschland den Schwerpunkt der subkulturellen Szene der DDR.

— Die Veranstaltung wurde am 22.04.2021 per Livestream übertragen und aufgezeichnet. —

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