>Daz haus Wiepersdorff vom Morgen< Supraporte gemalt um 1880 von Achim von Arnim-Bärwalde
>Daz haus Wiepersdorff vom Morgen< Supraporte gemalt um 1880 von Achim von Arnim-Bärwalde
Heutige Ansicht >vom Morgen
Heutige Ansicht >vom Morgen<

Aus der Chronik von Wiepersdorf und dem Ländchen Bärwalde

1734-36

Der Königlich Preußische Major Gottfried Emmanuel von Einsiedel (1690-1745) erwirbt das Ländchen Bärwalde (Orts- und Landschaftsbezeichnung), zu dem auch Wiepersdorf gehört und baut das Herrenhaus aus. Es entstehen seitlich zwei schräg stehende Seitenhäuser.

1780

Sophie Dorothea von Einsiedel verkauft das Ländchen mit Bärwalde, Wiepersdorf und weiteren fünf Rittergütern für 98.000 Taler an den Königlich Preußischen Kammerherrn Joachim Erdmann von Arnim (1741-1804). Durch zwei eingeschossige Turmgebäude wird das Haupthaus mit den beiden seitlich etwas schräg stehenden Häusern verbunden.

1781

26. Januar: Geburt von Ludwig Achim von Arnim, dem späteren Dichter. Die Mutter, Amalie Caroline (1761-1781), stirbt kurz nach dessen Geburt. Der Vater, Joachim Erdmann von Arnim, preußischer Gesandter in Kopenhagen bis 1774, Theaterdirektor unter Friedrich II. bis 1778, zieht sich auf sein uckermärkisches Gut Friedenfelde (etwa 20 km südlich von Prenzlau) zurück. Er kümmert sich nicht um Ludwig Achim und dessen älteren Bruder Carl Otto von Arnim (1779-1861). Die Großmutter Caroline von Labes kauft dem Schwiegersohn das Sorgerecht für ihre Enkel für 1.000 Taler ab.

1785

4. April: Geburt von Catharina Elisabetha Ludovika Magdalena Brentano (Bettina oder Bettine genannt) in Frankfurt a. M. Bettina ist die Schwester des Dichters Clemens Brentano (1778-1842), mit dem Ludwig Achim von Arnim 1801 Freundschaft schließt.

1804

Tod von Joachim Erdmann von Arnim. Die Brüder von Arnim erben das Ländchen Bärwalde. Im Herbst besichtigt es Achim mit Brentano.

1811

11. März: Ein Jahr nach dem Tod der Großmutter Achim von Arnims heiraten Ludwig Achim von Arnim und Bettina Brentano in Berlin.

1812/13

Geburt der Söhne Freimund und Siegmund

1814

Finanzielle Gründe und die politische Lage veranlassen Arnim und Bettina zum Umzug von Berlin nach Wiepersdorf. Trotz der großen Belastung bei der Bewirtschaftung der Güter publiziert Arnim Erzählungen, Dramen und Gedichte, den Roman >Die Kronenwächter< und zahlreiche journalistische Arbeiten.

1815

Geburt von Friedmund

1815/16

Die Wirtschaftsgebäude (heute zum Teil Stipendiatenzimmer) werden neu errichtet.

1816

Schwere Erkrankung Arnims. Besuch von Wilhelm Grimm und dem Juristen Friedrich Carl von Savigny, dem Ehemann von Bettinas Schwester Kunigunde (Gunda).

1817

Geburt des Sohnes Kühnemund. Bettina entschließt sich, in der angemieteten Stadtwohnung in Berlin zu leben, um ihren Söhnen eine angemessene Schulbildung zu ermöglichen. Häufiger Umzug im Stadtgebiet und Versorgung mit Naturalien aus Wiepersdorf, wohin sie sich immer wieder zur Regeneration zurückzieht.

1818/21/27

Geburt der Töchter Maximiliane (>Maxe<), Armgart und Gisela.

1826

Arnims letzte selbständige Veröffentlichung >Landhausleben< erscheint.

1831

Am 21. Januar stirbt Achim von Arnim in Wiepersdorf (Grab an der Kirche). Nach dem Tod ihres Mannes beginnt Bettina mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit: Sie überarbeitet eigene Briefwechsel der Jugendzeit, zunächst >Goethes Briefwechsel mit einem Kinde<.

1837-40

Bettina setzt sich in Berlin energisch für die Wiedereinstellung der Brüder Grimm ein und hat damit 1840 beim neuen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Erfolg. Ihre Entwicklung zur politischen Schriftstellerin beginnt. Im Winter 1839/40 vollendet sie ihr Buch >Die Günderrode< auf Schloss Bärwalde, wo sie mit ihren Töchtern lebt.

1843/44

>Dies Buch gehört dem König< erscheint; das geplante >Armenbuch< kann nicht veröffentlicht werden, weil Bettina Mitwirkung am Weberaufstand in Schlesien unterstellt wird.

1848

Bettina nimmt lebhaft Anteil an den revolutionären Ereignissen in Berlin, hält jedoch trotz der Kontakte zu den Jungdeutschen und Frühsozialisten an ihrem romantisch geprägten Ideal eines >Volkskönigs< fest.

1859

Am 20. Januar stirbt Bettina in Berlin (Grab neben der Wiepersdorfer Kirche).

1870

Der Enkel des Dichterpaares, Achim von Arnim, >der Maler< (1848-1891), wird Gutsherr auf Wiepersdorf.

1874-80

Der Maler Achim von Arnim überformt Gebäude und Park im neubarocken Stil. Der schlossartige Charakter des Hauses entsteht durch Ausbau der Terrasse, des Parks sowie das Errichten der Orangerie. Der nördliche Flügel des Schlosses, das Atelier, wird angebaut, die Feldsteinkirche wird neuromanisch gestaltet.

1945

Wiepersdorf wird russische Kommandantur und entgeht den Sprengkommandos, die andere Gutshäuser Brandenburgs vernichten.

1945/46

Nach der Enteignung und Vertreibung der Bewohner wird das Gutshaus durch Siedler besetzt. Es gelingt der Malerin Bettina Encke von Arnim, das Schloss in den Besitz einer Dichterstiftung zu überführen. Tod des letzten Besitzers von Wiepersdorf und Bärwalde, Friedmund von Arnim, in russischer Gefangenschaft.

1946

Rechtsträger des Hauses wird die am 16.7.1946 gegründete Deutsche Dichterstiftung e. V. Wiepersdorf wird Schriftstellerheim.

1947

Die ersten Schriftsteller, unter ihnen Anna Seghers, kommen nach Wiepersdorf.

1948

Schloss Wiepersdorf wird im Grundbuch als Eigentum des Volkes eingetragen und Haus sowie Bibliothek werden unter Denkmalschutz gestellt.

1950

Auflösung der Deutschen Dichterstiftung e. V. Das Haus wird in >Schloss Wiepersdorf, Arbeitsstätte für Geistesschaffende< umbenannt.

1953

Der Schriftstellerverband der DDR wird Rechtsträger. Die noch erhaltenen Teile des dichterischen Nachlasses von Achim und Bettina von Arnim kommen nach Weimar.

1965

Aus Anlass des 180. Geburtstages von Bettina (von Arnim) erhält das Haus den Namen >Bettina von Arnim Heim<. 

1974

Neuer Rechtsträger wird das Ministerium für Kultur der DDR.

Umfassende Sanierungsarbeiten im Haus und Park unter der Leitung des Institutes für Denkmalpflege.

1975

Sarah Kirsch veröffentlicht einen Zyklus von elf Wiepersdorf-Gedichten, der auf ihren zweiwöchigen Aufenthalt im Jahre 1973 zurückgeht.

1979

Der Kulturfonds der DDR wird Träger des Hauses.

1980

Neueröffnung des Schlosses als >Arbeits- und Erholungsstätte für Schriftsteller und Künstler-Bettina von Arnim<.

1989-92

Bedingt durch die Wende zunächst unklare Übergangssituation. Das Haus wird größtenteils als Hotel für Geschäftsleute genutzt.

1992

Wiedereröffnung als >Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf der Stiftung Kulturfonds<, die aus dem Kulturfonds der DDR hervorgegangen ist. Künstlerinnen und Künstler aus allen Kunstbereichen und aus verschiedenen Ländern leben und arbeiten im Haus. Einrichtung des Museums in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Schloss Wiepersdorf und dem Freien Deutschen Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum.

2004

Liquidation der Stiftung Kulturfonds und Schließung des Künstlerhauses.

2006

1. Juli Wiedereröffnung des Hauses als Künstlerhaus in der Trägerschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.